Kaffee-Blindverkostung: Anleitung | Junkereit Coffee

Junkereit Coffee · Anleitung

Kaffee-Blindverkostung:
professionell vergleichen

Ohne Namen. Ohne Vorurteil. Eine gute Blindverkostung zeigt nicht, welcher Kaffee den größten Namen trägt. Sie zeigt, welcher Kaffee in der Tasse wirklich überzeugt.

5 Kaffeeproben 60 bis 75 Minuten 3 bis 8 Personen ideal Auch für Einsteiger geeignet
Warum blind verkosten?

Der Geschmack entscheidet. Nicht das Etikett.

Bei einer Kaffee-Blindverkostung werden mehrere Proben unter identischen Bedingungen zubereitet und bewertet, ohne dass Sorte, Herkunft, Röstung, Marke oder Preis bekannt sind.

Diese Angaben beeinflussen unsere Erwartung. Deshalb bleiben sie verborgen, bis alle Bewertungen und persönlichen Favoriten feststehen.

So lassen sich verschiedene Bohnen, Röstgrade und Aufbereitungen fair miteinander vergleichen. Das Ergebnis hilft uns, die Kaffees auszuwählen, die nicht nur interessant klingen, sondern Menschen tatsächlich schmecken.

Kurzüberblick

Die vier Werte, die gleich bleiben müssen

8,25 gKaffee je 150 ml Wasser
93 °CWassertemperatur, ideal 92 bis 94 °C
4 Min.bis zum Aufbrechen der Kruste
10 Min.ungefähre Abkühlzeit bis zum Probieren

Für größere Tassen das Verhältnis beibehalten: 11 g auf 200 ml oder 13,75 g auf 250 ml. Entscheidend ist, dass jede Probe identisch zubereitet wird.

Das Junkereit-Probenprinzip

Was steckt hinter den Nummern?

Die Identität jeder Probe bleibt bis zur Auswertung verborgen. Die Nummer befindet sich ausschließlich unter dem Boden der jeweiligen Tüte.

1Teeseparat beurteilen, nicht in die Kaffee-Rangfolge einrechnen
2KaffeeBohne oder Röstgrad unbekannt
3KaffeeBohne oder Röstgrad unbekannt
4KaffeeBohne oder Röstgrad unbekannt
5KaffeeBohne oder Röstgrad unbekannt
6KaffeeBohne oder Röstgrad unbekannt
Wichtig: Die Tüten nicht vorher umdrehen. Eine Person bereitet die Proben vor oder klebt die Nummern ab. Wer mit nur drei Kaffeevarianten beginnen möchte, nutzt zunächst die Proben 2, 3 und 4. Die Proben 5 und 6 können später als zweite Runde folgen.
Vorbereitung

Was wird benötigt?

Je genauer die Vorbereitung, desto aussagekräftiger das Ergebnis. Verwende für alle Proben dasselbe Material und dieselbe Methode.

  • Identische Tassen oder Gläser, 150 bis 250 ml
  • Feinwaage mit 0,1-g-Anzeige
  • Kaffeemühle mit mittlerem Mahlgrad
  • Frisches, geruchsneutrales Wasser
  • Wasserkocher und möglichst Thermometer
  • Zwei Löffel je Person
  • Gläser zum Spülen der Löffel
  • Bewertungsbogen und Stift je Person
  • Stoppuhr oder Smartphone-Timer
  • Ungesalzene Cracker und stilles Wasser
Schritt für Schritt

Der genaue Ablauf

Vor Beginn

Raum und Gaumen neutral halten

Nicht rauchen und mindestens 30 Minuten vorher nichts Scharfes, Süßes oder stark Gewürztes essen. Kein Parfüm, keine Duftkerzen und keine Küchengerüche. Stilles Wasser bereitstellen.

0:00 Minuten

Proben anonym aufstellen

Die Tüten nicht umdrehen. Jede Tasse erhält nur die sichtbare Probennummer. Probe 1, der Tee, steht getrennt. Die Kaffeeproben 2 bis 6 stehen in einer festen Reihenfolge. Niemand erfährt Sorte, Herkunft, Preis oder Röstgrad.

0:05 Minuten

Kaffee frisch mahlen

Jede Probe unmittelbar vor der Verkostung mittelfein mahlen. Vor der nächsten Probe einige Bohnen durch die Mühle laufen lassen, damit kein Restkaffee das Ergebnis verfälscht. Pro 150 ml Wasser genau 8,25 g Kaffee abwiegen.

0:10 Minuten

Den trockenen Duft prüfen

Vor dem Aufgießen kurz und ruhig am frisch gemahlenen Kaffee riechen. Erste Eindrücke notieren: nussig, schokoladig, floral, fruchtig, würzig, erdig oder neutral. Noch nicht diskutieren.

0:12 Minuten

Gleichmäßig aufgießen

Alle Kaffeeproben zügig mit 92 bis 94 °C heißem Wasser bis zum gleichen Füllstand aufgießen. Den Timer mit dem ersten Aufguss starten. Nicht umrühren. Es bildet sich eine Kruste.

Nach 4 Minuten

Kruste brechen und Aroma riechen

Mit dem Löffel dreimal vorsichtig von vorne nach hinten durch die Kruste ziehen. Dabei die Nase nah an die Tasse bringen und das aufsteigende Aroma wahrnehmen. Den Löffel nach jeder Probe gründlich spülen. Schaum und schwimmende Partikel mit zwei Löffeln abschöpfen.

Ab etwa 10 Minuten

Heiß, warm und abgekühlt probieren

Einen kleinen Löffel Kaffee kräftig einsaugen, sodass er sich fein im Mund verteilt. Jede Probe mindestens dreimal testen: warm, lauwarm und fast kalt. Viele Unterschiede werden erst beim Abkühlen deutlich. Den Löffel zwischen den Proben spülen.

Währenddessen

Still und unabhängig bewerten

Jede Person trägt ihre Punkte ein, ohne Kommentare, Gesichtsausdrücke oder Ranglisten der anderen zu übernehmen. Es gibt keine falschen Geschmackswahrnehmungen. Persönliche Vorliebe und beschreibbare Qualität sollten getrennt notiert werden.

Zum Schluss

Favoriten festlegen und erst dann auflösen

Zuerst die beste Probe, die zweitbeste Probe und den persönlichen Preis-Leistungs-Favoriten notieren. Danach werden die Ergebnisse eingesammelt. Erst jetzt dürfen die Tüten umgedreht und Bohne, Röstgrad und Herkunft enthüllt werden.

Sensorik ohne Fachchinesisch

Was genau wird bewertet?

01

Duft & Aroma

Wie angenehm und deutlich riecht der Kaffee trocken und nach dem Aufgießen?

02

Geschmack

Welche Eindrücke entstehen? Zum Beispiel Schokolade, Nuss, Karamell, Frucht, Blüte oder Gewürz.

03

Süße

Wirkt die Tasse natürlich süß, reif und rund, auch ohne Zucker?

04

Säure

Ist die Säure lebendig und angenehm oder spitz und störend? Säure ist nicht automatisch ein Fehler.

05

Körper

Wie fühlt sich der Kaffee im Mund an? Leicht, seidig, cremig, voll oder trocken?

06

Nachgeschmack

Bleibt ein angenehmer Eindruck lange bestehen oder verschwindet er schnell?

07

Balance

Passen Süße, Säure, Bitterkeit, Aroma und Körper harmonisch zusammen?

08

Fehlerfreiheit

Gibt es störende Noten wie verbrannt, muffig, medizinisch, gärig oder ranzig?

09

Gesamteindruck

Die wichtigste Frage: Würde ich diesen Kaffee freiwillig noch einmal trinken oder kaufen?

Bewertungsbogen

Einfach Punkte vergeben

Jedes Merkmal erhält 1 bis 5 Punkte. Der Gesamteindruck zählt doppelt, weil am Ende nicht nur einzelne Aromen, sondern die gesamte Tasse überzeugen muss.

1schwach oder störend
2unterdurchschnittlich
3ordentlich
4sehr gut
5außergewöhnlich
KriteriumProbe 2Probe 3Probe 4Probe 5Probe 6
Duft & Aroma 1 bis 5
Geschmack 1 bis 5
Süße 1 bis 5
Säure 1 bis 5
Körper 1 bis 5
Nachgeschmack 1 bis 5
Balance 1 bis 5
Fehlerfreiheit 1 bis 5
Gesamteindruck 1 bis 5, doppelt zählen
Gesamt maximal 50 Punkte
Persönliche Aromen

Persönliche Rangfolge: 1. Platz ______    2. Platz ______    Preis-Leistungs-Favorit ______    Würde ich kaufen: Probe ______

Faire Ergebnisse

Die wichtigsten Regeln

Keine Diskussion vor der Abgabe

Ein einziges „Der ist aber sauer“ kann die Wahrnehmung der ganzen Gruppe verändern.

Identische Zubereitung

Gleiche Kaffeemenge, Wassermenge, Temperatur, Mahlung und Zeit sind Pflicht.

Reihenfolge wechseln

Bei größeren Gruppen beginnt die Hälfte links, die andere Hälfte rechts. So wird keine Probe durch ihre Position bevorzugt.

Mehrmals bei sinkender Temperatur testen

Sehr heißer Kaffee verdeckt Feinheiten. Beim Abkühlen werden Süße, Säure und Fehler klarer.

Wasser statt Milch und Zucker

Die erste Bewertung erfolgt schwarz. Eine spätere Alltagsprobe mit Milch ist möglich, aber separat.

Ergebnis vor Auflösung sichern

Erst Bögen einsammeln oder fotografieren, dann die Tüten umdrehen und die Identität enthüllen.

Die Auflösung

Jetzt wird aus Geschmack eine Entscheidung.

Nach der Enthüllung werden die Einzelurteile zusammengeführt. Dabei sind drei Ergebnisse besonders wertvoll:

  1. Publikumssieger: die Probe mit den meisten Erstplatzierungen.
  2. Qualitätssieger: die Probe mit der höchsten durchschnittlichen Punktzahl.
  3. Geschäftsfavorit: der Kaffee, der Geschmack, Einkaufspreis, Verfügbarkeit und gleichbleibende Qualität am besten verbindet.

Eine teure oder seltene Bohne kann faszinieren. Für ein ehrliches, dauerhaftes Kaffeeangebot zählt jedoch auch, ob sie zuverlässig in derselben Qualität geliefert und von vielen Menschen gern getrunken wird.

Häufige Fragen

Gut zu wissen

Muss man Kaffee schlürfen?

Nein. Kräftiges Einsaugen verteilt den Kaffee jedoch fein im Mund und macht Aromen leichter wahrnehmbar. Ein normaler kleiner Schluck ist für eine private Verkostung ebenfalls in Ordnung.

Welcher Mahlgrad ist richtig?

Mittelfein, ungefähr etwas gröber als klassischer Filterkaffee. Noch wichtiger als der exakte Mahlgrad ist, dass alle Proben mit derselben Einstellung gemahlen werden.

Warum darf vorher niemand über den Geschmack sprechen?

Geschmacksurteile sind leicht beeinflussbar. Wer zuerst eine bestimmte Note nennt, lenkt häufig unbewusst die Wahrnehmung der anderen.

Warum wird der Kaffee auch kalt probiert?

Bei hoher Temperatur sind viele feine Aromen schwerer zu erkennen. Beim Abkühlen zeigen sich Süße, Säure, Balance und mögliche Fehler deutlicher.

Ist das eine offizielle SCA-Bewertung?

Die Zubereitung orientiert sich an professionellen Cupping-Grundsätzen. Der vereinfachte 50-Punkte-Bogen von Junkereit Coffee ist bewusst verständlich gehalten und ersetzt keine offizielle Prüfung oder Bewertung durch zertifizierte Fachleute.

Junkereit Coffee Ausgewählt in Panama. Ehrlich verglichen. Mit Neugier geröstet.