Kaffee-Blindverkostung:
professionell vergleichen
Ohne Namen. Ohne Vorurteil. Eine gute Blindverkostung zeigt nicht, welcher Kaffee den größten Namen trägt. Sie zeigt, welcher Kaffee in der Tasse wirklich überzeugt.
Der Geschmack entscheidet. Nicht das Etikett.
Bei einer Kaffee-Blindverkostung werden mehrere Proben unter identischen Bedingungen zubereitet und bewertet, ohne dass Sorte, Herkunft, Röstung, Marke oder Preis bekannt sind.
Diese Angaben beeinflussen unsere Erwartung. Deshalb bleiben sie verborgen, bis alle Bewertungen und persönlichen Favoriten feststehen.
So lassen sich verschiedene Bohnen, Röstgrade und Aufbereitungen fair miteinander vergleichen. Das Ergebnis hilft uns, die Kaffees auszuwählen, die nicht nur interessant klingen, sondern Menschen tatsächlich schmecken.
Die vier Werte, die gleich bleiben müssen
Für größere Tassen das Verhältnis beibehalten: 11 g auf 200 ml oder 13,75 g auf 250 ml. Entscheidend ist, dass jede Probe identisch zubereitet wird.
Was steckt hinter den Nummern?
Die Identität jeder Probe bleibt bis zur Auswertung verborgen. Die Nummer befindet sich ausschließlich unter dem Boden der jeweiligen Tüte.
Was wird benötigt?
Je genauer die Vorbereitung, desto aussagekräftiger das Ergebnis. Verwende für alle Proben dasselbe Material und dieselbe Methode.
- Identische Tassen oder Gläser, 150 bis 250 ml
- Feinwaage mit 0,1-g-Anzeige
- Kaffeemühle mit mittlerem Mahlgrad
- Frisches, geruchsneutrales Wasser
- Wasserkocher und möglichst Thermometer
- Zwei Löffel je Person
- Gläser zum Spülen der Löffel
- Bewertungsbogen und Stift je Person
- Stoppuhr oder Smartphone-Timer
- Ungesalzene Cracker und stilles Wasser
Der genaue Ablauf
Raum und Gaumen neutral halten
Nicht rauchen und mindestens 30 Minuten vorher nichts Scharfes, Süßes oder stark Gewürztes essen. Kein Parfüm, keine Duftkerzen und keine Küchengerüche. Stilles Wasser bereitstellen.
Proben anonym aufstellen
Die Tüten nicht umdrehen. Jede Tasse erhält nur die sichtbare Probennummer. Probe 1, der Tee, steht getrennt. Die Kaffeeproben 2 bis 6 stehen in einer festen Reihenfolge. Niemand erfährt Sorte, Herkunft, Preis oder Röstgrad.
Kaffee frisch mahlen
Jede Probe unmittelbar vor der Verkostung mittelfein mahlen. Vor der nächsten Probe einige Bohnen durch die Mühle laufen lassen, damit kein Restkaffee das Ergebnis verfälscht. Pro 150 ml Wasser genau 8,25 g Kaffee abwiegen.
Den trockenen Duft prüfen
Vor dem Aufgießen kurz und ruhig am frisch gemahlenen Kaffee riechen. Erste Eindrücke notieren: nussig, schokoladig, floral, fruchtig, würzig, erdig oder neutral. Noch nicht diskutieren.
Gleichmäßig aufgießen
Alle Kaffeeproben zügig mit 92 bis 94 °C heißem Wasser bis zum gleichen Füllstand aufgießen. Den Timer mit dem ersten Aufguss starten. Nicht umrühren. Es bildet sich eine Kruste.
Kruste brechen und Aroma riechen
Mit dem Löffel dreimal vorsichtig von vorne nach hinten durch die Kruste ziehen. Dabei die Nase nah an die Tasse bringen und das aufsteigende Aroma wahrnehmen. Den Löffel nach jeder Probe gründlich spülen. Schaum und schwimmende Partikel mit zwei Löffeln abschöpfen.
Heiß, warm und abgekühlt probieren
Einen kleinen Löffel Kaffee kräftig einsaugen, sodass er sich fein im Mund verteilt. Jede Probe mindestens dreimal testen: warm, lauwarm und fast kalt. Viele Unterschiede werden erst beim Abkühlen deutlich. Den Löffel zwischen den Proben spülen.
Still und unabhängig bewerten
Jede Person trägt ihre Punkte ein, ohne Kommentare, Gesichtsausdrücke oder Ranglisten der anderen zu übernehmen. Es gibt keine falschen Geschmackswahrnehmungen. Persönliche Vorliebe und beschreibbare Qualität sollten getrennt notiert werden.
Favoriten festlegen und erst dann auflösen
Zuerst die beste Probe, die zweitbeste Probe und den persönlichen Preis-Leistungs-Favoriten notieren. Danach werden die Ergebnisse eingesammelt. Erst jetzt dürfen die Tüten umgedreht und Bohne, Röstgrad und Herkunft enthüllt werden.
Was genau wird bewertet?
Duft & Aroma
Wie angenehm und deutlich riecht der Kaffee trocken und nach dem Aufgießen?
Geschmack
Welche Eindrücke entstehen? Zum Beispiel Schokolade, Nuss, Karamell, Frucht, Blüte oder Gewürz.
Süße
Wirkt die Tasse natürlich süß, reif und rund, auch ohne Zucker?
Säure
Ist die Säure lebendig und angenehm oder spitz und störend? Säure ist nicht automatisch ein Fehler.
Körper
Wie fühlt sich der Kaffee im Mund an? Leicht, seidig, cremig, voll oder trocken?
Nachgeschmack
Bleibt ein angenehmer Eindruck lange bestehen oder verschwindet er schnell?
Balance
Passen Süße, Säure, Bitterkeit, Aroma und Körper harmonisch zusammen?
Fehlerfreiheit
Gibt es störende Noten wie verbrannt, muffig, medizinisch, gärig oder ranzig?
Gesamteindruck
Die wichtigste Frage: Würde ich diesen Kaffee freiwillig noch einmal trinken oder kaufen?
Einfach Punkte vergeben
Jedes Merkmal erhält 1 bis 5 Punkte. Der Gesamteindruck zählt doppelt, weil am Ende nicht nur einzelne Aromen, sondern die gesamte Tasse überzeugen muss.
| Kriterium | Probe 2 | Probe 3 | Probe 4 | Probe 5 | Probe 6 |
|---|---|---|---|---|---|
| Duft & Aroma 1 bis 5 | |||||
| Geschmack 1 bis 5 | |||||
| Süße 1 bis 5 | |||||
| Säure 1 bis 5 | |||||
| Körper 1 bis 5 | |||||
| Nachgeschmack 1 bis 5 | |||||
| Balance 1 bis 5 | |||||
| Fehlerfreiheit 1 bis 5 | |||||
| Gesamteindruck 1 bis 5, doppelt zählen | |||||
| Gesamt maximal 50 Punkte | |||||
| Persönliche Aromen |
Persönliche Rangfolge: 1. Platz ______ 2. Platz ______ Preis-Leistungs-Favorit ______ Würde ich kaufen: Probe ______
Die wichtigsten Regeln
Keine Diskussion vor der Abgabe
Ein einziges „Der ist aber sauer“ kann die Wahrnehmung der ganzen Gruppe verändern.
Identische Zubereitung
Gleiche Kaffeemenge, Wassermenge, Temperatur, Mahlung und Zeit sind Pflicht.
Reihenfolge wechseln
Bei größeren Gruppen beginnt die Hälfte links, die andere Hälfte rechts. So wird keine Probe durch ihre Position bevorzugt.
Mehrmals bei sinkender Temperatur testen
Sehr heißer Kaffee verdeckt Feinheiten. Beim Abkühlen werden Süße, Säure und Fehler klarer.
Wasser statt Milch und Zucker
Die erste Bewertung erfolgt schwarz. Eine spätere Alltagsprobe mit Milch ist möglich, aber separat.
Ergebnis vor Auflösung sichern
Erst Bögen einsammeln oder fotografieren, dann die Tüten umdrehen und die Identität enthüllen.
Jetzt wird aus Geschmack eine Entscheidung.
Nach der Enthüllung werden die Einzelurteile zusammengeführt. Dabei sind drei Ergebnisse besonders wertvoll:
- Publikumssieger: die Probe mit den meisten Erstplatzierungen.
- Qualitätssieger: die Probe mit der höchsten durchschnittlichen Punktzahl.
- Geschäftsfavorit: der Kaffee, der Geschmack, Einkaufspreis, Verfügbarkeit und gleichbleibende Qualität am besten verbindet.
Eine teure oder seltene Bohne kann faszinieren. Für ein ehrliches, dauerhaftes Kaffeeangebot zählt jedoch auch, ob sie zuverlässig in derselben Qualität geliefert und von vielen Menschen gern getrunken wird.
Gut zu wissen
Muss man Kaffee schlürfen?
Nein. Kräftiges Einsaugen verteilt den Kaffee jedoch fein im Mund und macht Aromen leichter wahrnehmbar. Ein normaler kleiner Schluck ist für eine private Verkostung ebenfalls in Ordnung.
Welcher Mahlgrad ist richtig?
Mittelfein, ungefähr etwas gröber als klassischer Filterkaffee. Noch wichtiger als der exakte Mahlgrad ist, dass alle Proben mit derselben Einstellung gemahlen werden.
Warum darf vorher niemand über den Geschmack sprechen?
Geschmacksurteile sind leicht beeinflussbar. Wer zuerst eine bestimmte Note nennt, lenkt häufig unbewusst die Wahrnehmung der anderen.
Warum wird der Kaffee auch kalt probiert?
Bei hoher Temperatur sind viele feine Aromen schwerer zu erkennen. Beim Abkühlen zeigen sich Süße, Säure, Balance und mögliche Fehler deutlicher.
Ist das eine offizielle SCA-Bewertung?
Die Zubereitung orientiert sich an professionellen Cupping-Grundsätzen. Der vereinfachte 50-Punkte-Bogen von Junkereit Coffee ist bewusst verständlich gehalten und ersetzt keine offizielle Prüfung oder Bewertung durch zertifizierte Fachleute.